osthessen-news 20.10.07


Ein Gras, das Energie liefert

Miscanthus giganteus wächst bereits bei Petersberg-Steinau heran

SCHMALNAU (FZ) Das Riesenschilfgras, lateinisch Miscanthus giganteus, stand im Mittelpunkt einer Diskussion des Forums Arbeiten und Wohnen im Verein Natur- und Lebensraum Rhön in Schmalnau. Die auch als Elefantengras bezeichnete Pflanze, die bereits auf einem Feld in Petersberg-Steinau wächst, kann nämlich in einer herkömmlichen Hackschnitzelanlage verheizt werden und kommt damit als alternativer Energielieferant in Frage.
Die in Fulda ansässige Firma Oswald Wärme+Design, die sich mit Kaminen, Öfen, Kachelöfen, erneuerbaren Energien und Heizungstechnik beschäftigt, will testen, inwieweit das Gras in der hiesigen Region gute Wachstumsbedingungen vorfindet. „Ich sehe für diese Pflanze im Biosphärenreservat Rhön eine Chance, der Landwirtschaft eine Alternative zu bieten“, sagt Achim Weider von „Oswald Wärme+Design“.
Zwei bis drei Kilogramm Elefantengras ersetzten rund einen Liter Heizöl, sagt Weider, und er rechnet vor: Auf einem Hektar Land könnten 16 000 bis 20 000 Kilogramm Elefantengras heranwachsen, was einem Energieäquivalent von etwa 7000 Litern Heizöl entspreche. Der Brennwert und das Abgasverhalten des Riesenschilfgrases entspräche dem von Laubholz. Zudem gebe es für den Anbau die „Stilllegungsprämie für nachwachsende Rohstoffe“.
Das Häckselgut kann sowohl zu Briketts für einen Kaminofen als auch zu Pellets für einen herkömmlichen Pelletkessel gepresst werden. Das Gras ist auch für die Bauindustrie interessant, die zum Teil Fenster, Ökoputze, ganze Häuser sowie Schallwände für Autobahnen herstellt. Ein Nachteil sei jedoch das große Volumen des Häckselguts, deshalb sei die Lagerung des Rohmaterials problematisch.
Dieses Jahr wurde in Steinau das Elefantengras mit einer Kartoffellegemaschine gepflanzt. Bis zum Winter 2008 wird es rund zwei Meter hoch sein. Im dritten Jahr erreicht es eine Höhe von vier Metern und ist dann sehr robust. Wildschweine fressen das Gras dann nicht mehr, weil es im unteren Bereich bereits sehr dick und hart geworden ist. Im vierten Jahr kann Miscanthus giganteus mit einem Maishäcksler geerntet werden. Ab diesem Zeitpunkt wächst das Gras sehr schnell nach, so dass in jedem Jahr eine Ernte möglich ist.
Stephan Büttner, im Fuldaer Landratsamt für Dorferneuerung und ländliche Entwicklung zuständig, erklärt: Rund 30 Prozent der Ackerbauflächen in Europa würden nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion benötigt. Dieser Anteil könnte mit nachwachsenden Energiepflanzen bestellt werden. Auf das Biosphärenreservat Rhön bezogen, sei diese Größenordnung jedoch stark zu relativieren, gibt die Sprecherin des Forums Arbeiten und Wohnen im Verein Natur- und Lebensraum Rhön, Ebersburgs Bürgermeisterin Brigitte Erb, zu bedenken.
In der Debatte wurden auch Bedenken formuliert: Beim Elefantengras handle es sich um eine Monokultur, die sich über Rhizome verbreite. Inwieweit dadurch andere Pflanzen und Tiere zurückgedrängt würden, müsse erst geklärt sein, um die Biotopvielfalt nicht zu gefährden.